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ÖSTERREICHISCHE IMAME-KONFERENZ 24.April.2005 in Wien
Schlusserklärung der Islamischen Glaubensgemeinschaft ÖsterreichsPräambel
Der Grazer
Imame-Konferenz im Juni 2003 gelang es, eine wichtige Basis bei der
Standortbestimmung des Islam in Europa zu legen. Das hier durch mehr als 120
Delegierte aus 35 Ländern zum Ausdruck
gebrachte Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und die
deutliche Verurteilung von Extremismus und Fanatismus wurde anhand islamischer
Quellen dargelegt und in ganz Europa gerade in muslimischen Kreisen mit großer
Zustimmung aufgenommen. Diese Erklärung ist ein wichtiger Baustein in einem
Prozess, der in einem immer konkreteren und praktische Fragen aufgreifenden
innermuslimischen Diskurs die Identität der MuslimInnen in Europa stärken soll.
Weitere Konferenzen sollten folgen. Die Kompatibilität einer muslimischen
Lebensweise in Europa verlangt nach innen wie außen sichtbar gemacht zu werden.
In Österreich
entschlossen sich die MuslimInnen unter dem Eindruck jüngster Ereignisse nicht
erst auf eine unmittelbare Fortsetzung der Grazer Konferenz zu warten, die als
großes Projekt wieder in enger Kooperation mit dem Außenministerium für 2006
ins Auge gefasst wurde, sondern das für derartige Unternehmungen ideale
österreichische Klima zu einer internen Konferenz zu nutzen. Österreich gilt
auch im europäischen Ausland zunehmend als modellhaft, was den Umgang mit dem
Islam betrifft. Der Anerkennungsstatus des Islam fördert den Dialog auf
gleicher Augenhöhe und schafft so ein Klima sozialen und religiösen Friedens.
MuslimInnen
leiden zunehmend unter einer unzulässigen Gleichsetzung von Islam mit
Terrorismus, die in der öffentlichen Meinung verstärkt als ablehnende
Grundhaltung um sich greift. MuslimInnen sehen sich einem starken
Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Die im Zusammenhang mit dem "globalen Krieg
gegen den Terror" erfolgte Konzentration auf ein kleines und enges Segment von
Radikalen, die in jeder Debatte über den Islam allgegenwärtig sind, ließ einen
fatalen Eindruck entstehen: Terror und Intoleranz seien im Islam selbst
angelegt und jeder Muslim zumindest potentiell gefährlich. Neu etablierte
Wörter wie jenes vom "Schläfer" mussten in der Bevölkerung den Eindruck
erwecken, als könne von jedem Muslim Gewalt ausgehen.
In dieser
Situation tragen die MuslimInnen selbst Verantwortung, eine Bringschuld, für
größtmögliche Transparenz zu sorgen und den Fokus endlich wieder auf die
überwältigende Anzahl von MuslimInnen zu legen, die gerade in Umsetzung der
Lehren ihrer Religion für gegenseitigen Respekt und Verständnis stehen und
menschenverachtenden Terrorismus ablehnen. MultiplikatorInnen des
friedliebenden und vernünftigen Islam kommt hier eine besondere Rolle zu. Die
Stimme der Imame, der Theologinnen und Intellektuellen soll nach innen und
außen durchdringen. Sie haben den direkten Kontakt zur Basis und können so viel
bewirken. Die eindeutigen Positionen des Islam zu dem Gut der Freiheit, zu
Menschenwürde und Frauenrechten müssen Allgemeingut werden. Denn die beste
Medizin gegen Hass und Intoleranz ist das Wissen.
Positionsdarlegung und Beschlüsse zu "Islam
in Österreich"
Gemeinsame Werte in Diversität
Diversität ist
in den europäischen Gesellschaften ein überall zu beobachtendes Phänomen. Ein
Schlüssel zu einem nutzbringenden Umgang mit dieser Vielfalt ist die Einsicht,
dass hier schließlich auch eine Gemeinsamkeit liegt, der größte gemeinsame
Nenner zwischen MuslimInnen und Menschen anderer Religion oder Weltanschauung.
Von Gemeinsamkeiten ausgehend erschließt sich der universale Charakter
allgemein gültiger Werte, die die Qualität des menschlichen Zusammenlebens
ausmachen.
Was die Christen
und Juden betrifft, so sind Jesus und Moses, Friede sei mit ihnen, gemäß dem
edlen Koran und der Sunna große Gesandte aus dem Kreis der fünf größten
Propheten in der Weltgeschichte. Auf ihren Spuren und Wegen ist unser edler
Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, gegangen. MuslimIn ist nur, wer auch
diese Propheten bezeugt. In einem universalen Rahmen gedacht, ist der Glaube
der MuslimInnen an eine gleiche gemeinsame Abstammung aller Menschen die
Grundlage für die Denkschule, die Menschlichkeit gleich der großen
humanistischen Tradition als zentralen Wert in die Mitte rückt. Menschliche
Verantwortung füreinander und für die Schöpfung kann nur greifen, wenn der
Mensch als Mensch gleich betrachtet wird, ohne mit zweierlei Maß zu messen.
Die
Umsetzbarkeit kann viel eher gelingen,
wenn Werte nicht eifersüchtig von einzelnen Gruppen für sich beansprucht
werden. Mit anderen Religionen, Ideologien und Weltanschauungen verbinden uns
das Streben nach Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Dazu in Opposition
stehen Armut, Unterdrückung, Diskriminierung, Rassismus und Besatzung.
Stellenwert des Lebens
Das Leben ist
das höchste Gut im Islam. Daher kommt ihm absoluter Schutz zu, unabhängig von
ethnischer Zugehörigkeit, religiösem Bekenntnis, Weltanschauung,
gesellschaftlicher Stellung, körperlichem oder geistigem Vermögen. "[
] Wer einen Menschen
tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer
einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt
gerettet." (Koran 5:32)
Freiheit
Unmittelbar nach
dem Leben genießt die Freiheit höchste Priorität. Dem Menschen von Geburt an zu
eigen, ist sie genauso schützenswert. Niemand soll aufgrund der eigenen Meinung
Sorge um sein Leben haben, diskriminiert werden oder bei der Ausübung der
Religion, bzw. Weltanschauung behindert werden. Die Unterschiede in den
Perspektiven und Auffassungen sind für MuslimInnen als gottgewollt zu
respektieren. Alle Formen des Zwanges in der Religion werden daher abgelehnt.
Stellung der Frau
Frauen und
Männer sind Partner, gleich an Menschenwürde, Rechten und Pflichten. Daraus
ergibt sich das Recht der Frau an Lernen und Lehren, das Recht auf Arbeit,
aktives und passives Wahlrecht, Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs und
Entscheidungsprozess, finanzielle Unabhängigkeit. Es ist zwingend notwendig,
der Frau die gleichen Chancen wie dem Mann zu garantieren, damit sie sich
mündig und frei orientieren kann, um ihre persönlichen Ziele im Leben zu
verwirklichen. Es ist nicht genug, Benachteiligungen gegenüber Frauen als nicht
mit dem Islam konform zu verurteilen. Angesichts gesellschaftlicher
Erscheinungen wie mangelndem Bildungszugang oder Zwangsehe, selbst wenn diese
nur Randerscheinungen darstellen sollten, sind islamische Konzepte zu deren
Überwindung zu entwickeln. Partizipation der Frauen in allen Bereichen des
gesellschaftspolitischen Lebens muss gefördert werden.
MuslimInnen in der österreichischen Gesellschaft
Die
TeilnehmerInnen der Konferenz betonen das Festhalten an verfassungsrechtlichen
Prinzipien in der Republik Österreich, darin eingeschlossen und besonders
hervorzuheben die Gleichheit aller BürgerInnen vor dem Gesetz, Pluralismus,
demokratischer Parlamentarismus und Rechtsstaatlichkeit.
Der
Anerkennungsstatus des Islam in Österreich und die damit verbundenen praktischen
Vorteile wie das Recht auf freie und öffentliche Religionsausübung, innere
Autonomie der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Religionsunterricht an den
Schulen und Berücksichtigung der Religionszugehörigkeit z.B. beim Bundesheer
wird von den muslimischen BürgerInnen wahrgenommen und hoch geschätzt. Die
gemäßigte und offene Haltung der MuslimInnen in Österreich baut ein positives
Zusammenwirken mit der gesamten Gesellschaft auf. Eine Kultur des Dialogs
ermöglicht Brückenbau, der sachlich Themen allgemeiner Wichtigkeit aufgreift,
anstatt sich in Ignoranz und Einkapselung einzuschließen. Die negativen Folgen
wie sie eine Isolierung in einer Art Parallelgesellschaft mit sich bringen
würde, werden von den MuslimInnen in Österreich erkannt und Segregationsmodelle
daher abgelehnt. In diesem Sinne bekräftigen die TeilnehmerInnen der Konferenz
das Motto der Islamischen Glaubensgemeinschaft anlässlich des 25jährigen
Jubiläums "Integration durch Partizipation". Anteilnahme schließt den
gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Bereich ein.
Die Sicherheit
des Landes ist gleichzeitig die Sicherheit der muslimischen Bevölkerung. Wohlstand
und gedeihliches Fortschreiten sind als gemeinsame Anliegen durch
Verfassungstreue und persönlichen Einsatz weiterzuentwickeln.
Rolle der Jugend
Die Hoffnungen und Forderungen der Wiener Imame-Konferenz sehen wir vor allem bei der Jugend verwirklicht, denn die österreichische muslimische Jugend betrachtet sich in ihrem Selbstverständnis als eine neue Generation von jungen Männern und Frauen, die sich mit Land und Leuten, ihrer Demokratie und ihrem Rechtssystem identifizieren. Sie übersetzt dadurch die offizielle Linie der Islamischen Glaubensgemeinschaft in die Praxis und öffnet dadurch dem islamischen Leben in Österreich eine neue und viel versprechende Zukunft. Islam und Extremismus
Es ist nicht
ausreichend, extreme Ansichten und Haltungen, die sich außerhalb des oben
festgehaltenen Konsenses stellen, als marginale Erscheinungen abzutun. Dass
Engstirnigkeit und Fanatismus, wo jede Diskussion aus blinder Überzeugung in
die alleinige Gültigkeit der eigenen Interpretation ausgeschlossen ist, tatsächlich keinen Platz in Österreich haben,
ist nur ein Grund mehr, sich der Verantwortung bewusst zu sein, für weitere
Aufklärung zu sorgen.
Finanzielle Unabhängigkeit der MuslimInnen in Österreich
Die Islamische
Glaubensgemeinschaft und die überwiegende Mehrheit der islamischen Vereine sind
autonome österreichische Institutionen, die ausschließlich durch
Mitgliedsbeiträge und Spenden, sowie die selbstlose Arbeit ehrenamtlicher
UnterstützerInnen finanziert werden. Trotz der sehr angespannten finanziellen
Lage ermöglicht uns diese Situation Unabhängigkeit, die für uns die
Eigenständigkeit garantiert.
Solidarische Beziehungen zur islamischen Welt
Die Situation
der MuslimInnen in der Welt ist uns nicht gleichgültig. Mit Sorge verfolgen wir
in vielen Teilen der muslimischen Welt insbesondere fehlende Demokratie,
soziale Ungerechtigkeit, Besatzung, Krieg und wirtschaftliche Unsicherheit.
Unsere Arbeit konzentriert sich dabei auf Aufklärung, politische
Sensibilisierung und humanitäre Hilfestellung. Hier werden insbesondere
Frauenprojekte initiiert, Patenschaften für Waisenkinder übernommen, Kranke und
Behinderte unterstützt. Zur Realisierung werden auch Spendengelder in
Österreich gesammelt. Im Prozess der öffentlichen Meinungsbildung positionieren
wir uns in den Medien.
Beschlüsse der Imame-Konferenz in Kurzform
- Die
österreichische Imame-Konferenz ist sich einig darin, dass die MuslimInnen
in Österreich einen Bestandteil der österreichischen Gesellschaft
darstellen. Die Beziehung zwischen ihnen und der österreichischen
Gesellschaft soll auf dem gemeinsamen guten Willen und der Verfassung
aufgebaut werden. Hierauf folgt die religiöse Pflicht zum friedlichen
Miteinander in den verschiedenen Bereichen der österreichischen
Gesellschaft und ihren ethnischen und religiösen Gruppen. Weiterhin
betrachtet die österreichische Imame-Konferenz die konstruktive
Integration und Partizipation der MuslimInnen innerhalb der
österreichischen Gesellschaft als absolut notwendig.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betont, dass
es zur Aufgabe einer jeden Muslimin und eines jeden Muslims – wie auch
jeder anderen Bürgerin und jeden anderen Bürgers – gehört, sich für die
Sicherheit und den Frieden des Landes sowie seiner EinwohnerInnen aktiv
einzusetzen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz ermutigt die
in Österreich lebenden MuslimInnen zum aktiven Schutz sowie der Bewahrung
des öffentlichen und privaten Eigentums und der Ressourcen, als auch der
Beteiligung und Hilfeleistung in Notfällen und bei Naturkatastrophen.
- Die österreichische
Imame-Konferenz verurteilt alle terroristischen und extremistischen
Gewaltakte auf der Welt.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betrachtet es als unbedingt notwendig für
die internationale Gemeinschaft, sich ernsthaft und wissenschaftlich mit
der Erscheinung des Terrorismus auseinanderzusetzen und setzt sich ein für
die Bildung eines Gremiums, das aus Intellektuellen und MeinungsbildnerInnen
besteht, welche sich intensiv mit der Problemstellung auseinandersetzen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz stellt fest, dass sich die internationale
Staatengemeinschaft noch nicht auf eine Definition des Begriffes
"Terror" bzw. "Terrorist" geeinigt hat und sie betont
in diesem Zusammenhang, dass Terror nicht einer Religion, einer Ethnie
oder einer Kultur zuzuordnen ist. Weiterhin betont sie, dass jeder, der
unschuldige ZivilistInnen mit Terror oder Mord bedroht, ein Terrorist ist,
unabhängig von seiner Zugehörigkeit.
- Die
österreichische Imame-Konferenz weist alle Imame und Intellektuellen dazu
an, sich intensiv mit der Bekämpfungsmöglichkeit des Extremismus in all
seinen Erscheinungsformen auseinanderzusetzen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz stellt fest, dass Gerechtigkeit und
Freiheit zwei unverzichtbare menschliche Werte darstellen und dass es zu
den Aufgaben einer jeden Gesellschaft mit all ihren Gruppierungen gehört
sich für Gerechtigkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort einzusetzen, damit
sich alle Völker ihrer Rechte und Freiheiten erfreuen können. Sie bestätigt weiterhin, dass die internationale
Menschenrechtserklärung und ähnliche Dokumente Teile dieser universellen
menschlichen Werte darstellen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Islam das Leben heiligt.
Aus diesem Grund ist alles, was diesem Grundsatz widerspricht, abzulehnen.
Der Koran unterstreicht eindringlich in Sure 5:32 den Wert des Lebens.
- Die
österreichische Imame-Konferenz verdeutlicht, dass es nicht erlaubt ist,
andere religiöse Überzeugungen, Symbole oder Werte zu verhöhnen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betont, dass im Islam Frau und Mann in
ihrem Wert und in der Verteilung ihrer Rechte und Pflichten gleich sind.
Jegliche Verletzung der Rechte und Würde der Frau, sei es körperlich,
psychisch oder mental wird vom Islam abgelehnt und aufs schärfste
verurteilt. Darüber hinaus ist auf dem Boden der Religion ein aufrichtiger
Diskurs zu führen, um ein vertieftes Bewusstsein für Frauenrechte zu
schaffen.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Islam keine Theokratie
kennt, vielmehr fordert der Islam die Prinzipien des Pluralismus und der
Demokratie. Dies äußert sich unter anderem in dem islamischen Grundsatz
der Vielfalt der Menschen und Kulturen, welche einen positiven Einfluss
auf die Entwicklung der Zivilisation haben.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betont, dass der Dialog das beste
Instrument für den Gedankenaustausch zwischen den unterschiedlichen
gesellschaftlichen Gruppen und Religionen ist. Er kann die gegenseitige
Anerkennung und das friedliche Zusammenleben garantieren. Zu einem fruchtbaren Dialog gehört die
Fähigkeit der Kommunikation, die in Österreich Kenntnis der deutschen
Sprache zur Voraussetzung hat. Daher betont die Imame-Konferenz die
Notwendigkeit des Spracherwerbs.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betrachtet den Dienst an der Gesellschaft
als eine der besten Handlungen, zu welchen der Islam immer wieder aufruft,
und fordert deshalb die MuslimInnen zur aktiven Teilnahme in den
verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen auf
- Die
österreichische Imame-Konferenz betrachtet den Umweltschutz und den
fürsorglichen Umgang mit Tieren und Pflanzen als gute Taten, zu denen man
sich gegenseitig anspornen soll.
- Die
österreichische Imame-Konferenz betrachtet die MuslimInnen in Österreich
und Europa als lebendiges Bindeglied zwischen Europa und der islamischen
Welt. Ein engeres und vertrauensvolleres Verhältnis soll aus einer
Wahrnehmung und Wertschätzung ihrer Brückenbaufunktion erwachsen.
- Vernetzung und verbesserte Kommunikation
zwischen den Vereinen, Moscheen und der IGGiÖ soll die weitere positive
Entwicklung der Diskussion forcieren.
Empfehlungen der Konferenz
Die Erklärung soll in allen Moscheen öffentlich
angebracht werden. Unser Engagement gegen Rassismus in
jeglicher Form umfasst auch eine wachsame Einstellung zu Erscheinungsformen der
Islamfeindlichkeit und Islamophobie, an deren Überwindung gearbeitet werden
soll. Islamfeindlichkeit ist kein Kavaliersdelikt.
-
Vertiefung der Einsicht der
MuslimInnen in die Bedeutung der aktiven Teilhabe an der Gesellschaft:
kulturell, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich
- Verfestigung und Betonung
der islamischen Haltung zu Menschenrechten und Frauenanliegen durch
Herausgabe mehrsprachiger Broschüren (deutsch und weitere Sprachen der
muslimischen Gemeinden in Österreich)
für innermuslimische Information und außermuslimische Aufklärung.
- Entwicklung von Strategien
zur Bekämpfung extremer Ansichten und warnende Bewusstmachung von starren und
einseitigen Haltungen, die dem Islam und den MuslimInnen Schaden zufügen, in
der Geschichte und heute. Gemeinsamer Einsatz zur Erreichung eines Schutzes vor
solchen Ansichten und Richtungen. Dazu baut die Argumentation auf einer
vertieften theologischen und praktischen Herangehensweise auf, die aktuelle
Herausforderungen ständig im Blickfeld behält. Die drei Komponenten einer Fatwa
(religiöses Gutachten) gehen auf Zeit, Ort und handelnde Personen ein, so wie
dies in der islamischen Theologie vorgesehen ist.
- Sensibilisierung und
Aufklärung über sämtliche Erscheinungsformen von Intoleranz, keine
Verharmlosung jeglicher Tendenz in Richtung Extremismus. Desgleichen ist
persönlicher Einsatz bei deren Bekämpfung nötig, um korrigierend einzugreifen.
Dazu unabdingbar die Unterstützung im
Bildungsbereich.
- Kontinuierliche Einberufung
solcher Konferenzen, um den Charakter eines beständigen vernetzten und
effektiven Arbeitsprozesses weiterzuentwickeln und immer rechtzeitig auf Fragen
der Zeit reagieren zu können. Diese Erklärung ist ein Rahmen, innerhalb dessen
der weitere Diskurs stattfinden sollte. Die Fortsetzung der Grazer Konferenz im
Jahre 2006 wäre ein wichtiger nächster Schritt.
- Bildung einer Kommission
von Gelehrten und Intellektuellen, Männern und Frauen, unter Vorsitz des
Muftis, die in multiethnischer Zusammensetzung und Einbringung der
verschiedenen Rechtsschulen die Aufgabe verfolgen, Gutachten und
Positionspapiere zu aktuellen Themen den zuständigen Gremien der IGGiÖ
vorzulegen. Im Fokus soll dabei die Bindung der MuslimInnen an die Gesellschaft
stehen. Die Themen ergeben sich aus dieser Abschlusserklärung der Konferenz.
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