Palais Yeniköy

Mit der Urkunde vom 28. September 1882 erfolgte die Schenkung der Liegenschaft mit Gebäude und Grundstück in Yeniköy von Sultan Abdülhamit II. an Kaiser Franz Josef I. als Botschaftsgebäude (Sommerresidenz) für Österreich.


Die Liegenschaft setzte sich ursprünglich aus 7 Stiftungsgütern zusammen, von denen 4 auf die Stiftung von Sultan Beyazid zurückgeführt werden können.


Das Gebäude, im "spätklassischen Stil vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts" (A. Machatschek) vom Architekten Migirdiç Kalfa (Çarkyan), einem Mitarbeiter der Architektenfamilie Balyan, errichtet, hatte dem armenischen Bankier Cezayirlioglu Migirdiç gehört. Die Inneneinrichtung soll nie vollendet worden sein. Nach der Übernahme durch das osmanische Finanzministerium stand das Gebäude ab ca. 1860 leer.


Österreich besaß als Sommerresidenz damals im Gegensatz zu den anderen europäischen Großmächten lediglich ein gemietetes Haus in Büyükdere, wovon auch Josef von Hammer-Purgstall bei seiner Ankunft im Jahre 1799 berichtete.

Von Seiten Österreichs wurden zwischen 1894 und 1898 umfangreiche Renovierungen in der Liegenschaft im Hauptgebäude und in seinen Dependancen vorgenommen, für die 244.637 Gulden nach einer Berechnung der österreichischen Botschaft aus dem Jahr 1893 veranschlagt waren. Die Ausführung und Inneneinrichtung erfolgten im imperialen Stile der damaligen Zeit.


Mit Ende des I. Weltkrieges 1918 verblieb das Palais Yeniköy als einziges Gebäude in Istanbul in österreichischem Besitz, der jedoch nach einem festgelegten Aufteilungsschlüssel bis 1938 gleichzeitig auch Besitz von Ungarn war.


Das Inventar wurde im Auftrag des damaligen Botschafters Markgraf Pallavicini zwecks Aufrechterhaltung des Betriebes der provisorischen Vertretung in Istanbul nach 1918 teilweise verkauft. In den Wirren der Nachkriegszeit dürfte es auch zu Plünderungen gekommen sein. In den Sommermonaten 1920 war das Palais Amtssitz des Britischen Hochkommissariates.
Aufgrund der Annexion Österreichs durch das Deutsche Reich 1938 gingen Liegenschaft und Gebäude in deutschen Besitz über (Eintragung ins Grundbuch von Sariyer vom 27.2.1941). Mit 14.06.1947 erfolgte im Grundbuch von Sariyer jene Eintragung, die die Liegenschaft wieder als Besitz der Republik Österreich ausweist.


Aufgrund eines Vertrages zwischen dem Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten und der Kongregation der Barmherzigen Schwestern und mit Genehmigung durch das türkische Erziehungsministerium war von 1960 bis 1970 das Internat der österreichischen Mädchenschule St. Georg mit Schulklassen im Erdgeschoß und im obersten Stock des Hauptgebäudes untergebracht.


In der Amtszeit von Dr. Alois MOCK, Bundesminister für auswärtige Angelegenheiten, und Generalsekretär Botschafter Dr. Thomas KLESTIL wurde der Beschluss zur Renovierung und Revitalisierung und zur Verlegung des Österr. Kulturforums in das Palais Yeniköy durch die Sektionsleiter Dr. Peter MARBOE und Dr. Peter NIESNER gefasst.


Im Auftrag des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten führten das Architektenbüro Machatschek und W. Schermann, Wien, und die Firma Koray, Istanbul, in den Jahren 1992 bis 1994 umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Hauptgebäude, in den Nebengebäuden und im Gartengebiet (30.000 m²) mit seinem z.T. sehr seltenen Baumbestand durch, wofür rd. öS 50 Mio. aufgewendet wurden.


Seit 1991 sind im Palais Yeniköy das Österreichische Generalkonsulat und seit 1994 das Österreichische Kulturforum untergebracht.


Das Österreichische Kulturforum Istanbul dankt dem Österreichischen Generalkonsulat Istanbul und Dr. Ernst Petritsch, Staatsarchiv Wien, für die freundliche Überlassung von Unterlagen und Informationen.



Quelle: http://www.austriakult.org.tr